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Montag, 20. August 2007
Erdbeeren - ein Perspektivenwechsel
norge08, 14:03h
Nie, nie wieder in meinem Leben werde ich einfach so und voellig unbedacht eine Erbeere essen. Ich nehms ja inzwischen mit einigem auf, das ich mir wohl bisher nicht zugetraut haette: randalierende Schafsboecke, Moskito-Schwaerme, dubiose Fischgerichte ... aber vor einem haette ich tatsaechlich fast kapituliert - vor Erdbeersetzlingen.
Seit geschlagenen vier Tagen ist mein Leben von der Erdbeeranzucht bestimmt. Habt Ihr eine Ahnung, wieviel Arbeit hinter diesen sonst so harmlosen Fruechten steckt? Naja, wahrscheinlich schon. Meine Unerfahrenheit was Gaertnern angeht ist ja fast grenzenlos. Um so haerter traf mich die Realitaet hinter Stians kleiner Bitte, mal eben die Setzlinge fuer weitere sechs Reihen Erdbeeren zu schneiden und anzuziehen. Ich bin also froehlich mit Schere und Eimer bewaffnet ins Erdbeerfeld losgezogen. "Kann ja nicht so schwer sein ..."
Von wegen! Nach einer Stunde waren meine Unterarmen mit roten Puenktchen uebersaeht, nach zwei Stunden habei ich meine Knie und meinen Ruecken nicht mehr gespuert und nach einer weiteren Stunde hatte ich mehrere hysterische Anfaelle aufgrund diverser Insektenangriffe hinter mir.
Dann die ersten Anpflanzversuche: Erde zu trocken, Erde zu nass, Setzlinge zu gross, mehr Insekten aus dem Hinterhalt (Eimer) ... Abends erklaerte mir Stina dann, er haette eben eine kleine Kalkulation angestellt und waere auf 26 zu bepflanzende Steckling-Tablett gekommen. Bilanz meines ersten Tages : 3!!!
Zweiter Tag im Erdbeerfeld: stroemender Regen (dafuer keine Krabbelviecher). Dritter Tag im Erdbeerfeld: ploetzlich Auge in Auge mit einem Laemmchen, dahinter der Rest der Herde zwischen den Erdbeeren (wozu hat man gleich nochmal Elektrozaeune?) Schafe sind ja so doof ... aber Erbeeren auch, wie ich seit einigen Tagen weiss.
Trotzdem - ich naehere mich der gewuenschten Anzahl an Stecklingen und darf danach - ja was wohl? - alle 26x77 Stecklinge auspflanzen. Yipee!
P. S. Die Melkmaschine ist kuerzlich explodiert und das Kaelbchen hat schon vier Tage Verspaetung.
P.P.S. Im Kommentar zu diesem Beitrag findet Ihr ein paar neue Bilder.
Seit geschlagenen vier Tagen ist mein Leben von der Erdbeeranzucht bestimmt. Habt Ihr eine Ahnung, wieviel Arbeit hinter diesen sonst so harmlosen Fruechten steckt? Naja, wahrscheinlich schon. Meine Unerfahrenheit was Gaertnern angeht ist ja fast grenzenlos. Um so haerter traf mich die Realitaet hinter Stians kleiner Bitte, mal eben die Setzlinge fuer weitere sechs Reihen Erdbeeren zu schneiden und anzuziehen. Ich bin also froehlich mit Schere und Eimer bewaffnet ins Erdbeerfeld losgezogen. "Kann ja nicht so schwer sein ..."
Von wegen! Nach einer Stunde waren meine Unterarmen mit roten Puenktchen uebersaeht, nach zwei Stunden habei ich meine Knie und meinen Ruecken nicht mehr gespuert und nach einer weiteren Stunde hatte ich mehrere hysterische Anfaelle aufgrund diverser Insektenangriffe hinter mir.
Dann die ersten Anpflanzversuche: Erde zu trocken, Erde zu nass, Setzlinge zu gross, mehr Insekten aus dem Hinterhalt (Eimer) ... Abends erklaerte mir Stina dann, er haette eben eine kleine Kalkulation angestellt und waere auf 26 zu bepflanzende Steckling-Tablett gekommen. Bilanz meines ersten Tages : 3!!!
Zweiter Tag im Erdbeerfeld: stroemender Regen (dafuer keine Krabbelviecher). Dritter Tag im Erdbeerfeld: ploetzlich Auge in Auge mit einem Laemmchen, dahinter der Rest der Herde zwischen den Erdbeeren (wozu hat man gleich nochmal Elektrozaeune?) Schafe sind ja so doof ... aber Erbeeren auch, wie ich seit einigen Tagen weiss.
Trotzdem - ich naehere mich der gewuenschten Anzahl an Stecklingen und darf danach - ja was wohl? - alle 26x77 Stecklinge auspflanzen. Yipee!
P. S. Die Melkmaschine ist kuerzlich explodiert und das Kaelbchen hat schon vier Tage Verspaetung.
P.P.S. Im Kommentar zu diesem Beitrag findet Ihr ein paar neue Bilder.
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Donnerstag, 16. August 2007
Norsk
norge08, 16:03h
Ratet mal, was meine ersten neuen Worte auf Norwegisch hier waren? "gjøtsel" (Duenger) und "møkk" (Kuhmist)! Tja, nomen est omen oder so aehnlich. Auf jeden Fall hat sich mein harmloses Reise-Norwegisch sehr schnell um handfestes Stallvokabular erweitert und spiegelt durchaus meinen neuen Lebensmittelpunkt wieder. Kleine Kuriositaet am Rande: Schaf heisst auf Norwegisch "sau" (gesprochen: soeue).
Und auch sonst ist Norwegisch eine lustige Sprache. Es gibt hier so viele Dialekte, dass es eigentlich ein bisschen egal ist, wie man ein Wort genau ausspricht. Irgendeine Dialektvariante erwischt man sicher. Entsprechend habe ich auch noch keine zwei Personen getroffen, deren Aussprache groessere Uebereinstimmungen aufweist. Schon gar nicht in meiner naeheren Umgebung. Stian spricht ein eher undeutliches, modernes Hauptstadtnorwegisch, sein Vater einen Dialekt von der Westkueste und seine Mutter mit stark daenischem Einschlag. Sie ist naemlich Daenin. Bei der Gelegenheit faellt mir ein - jemand in meinem Norwegisch-Kurs hat mal gesagt: "Daenisch ist keine Sprache. Daenisch ist eine Halskrankheit". Nun, vielleicht ist da ja was dran ... (als Linguistin darf man sich solche kleinen Gemeinheiten ja mal erlauben).
Kuerzlich war ein Nachbar zu Besuch, den ich fast gar nicht verstanden habe. Als ich Stian spaeter frage, was fuer ein Norwegisch der Nachbar denn spraeche, grinste er und meinte: "Schwedisch."
Alles in allem bin ich aber ganz ueberrascht, wie gut die Verstaendigung klappt. Mit Stian rede ich nur Englisch, aber mit seinen Eltern und den Nachbarn fast ausschliesslich Norwegisch. Mein Kurs an der Uni liegt ja schon 3 Jahre zurueck und hat damals auch nur 2 Semester gedauert. Von daher haette ich Schlimmeres erwartet. Ich verstehe eigentlich das meiste, und wenn mir beim Sprehen mal ein Wort fehlt, dann suche ich mir einfach ein geeignetes Wort aus dem Englischen oder Deutschen, unterwerfe es den norwegischen Ausspracheregeln und liege oft nicht allzuweit daneben damit. Und entsprechend witzig klingt echtes Norwegisch dann auch fuer deutsche Ohren. Und sie haben einen schoenen Singsang bin ihrer Sprachmelodie. Auf jeden Fall eine Sprache, die Spass macht!
Die zweite verhaeltnismaessig grosse Neuerwerbung in meinem Wortschatz sind uebrigens die Namen der verschiedenen Beeren, die hier auf dem Hof und im angrenzenden Wald wachsen. Ich kann jetzt schon Schwarze Johannisbeere, Rote Johannisbeere, Stachelbeere, Himbeere, Heidelbeere und Preiselbeere auf Norwegisch sagen! Und dann gibt es da noch diese relativ grosse, rote Beere, die mit "E" anfaengt. Warum ich derzeit aber ein eher schwieriges Verhaeltnis zu dieser Beere habe und mir ihr Name nicht eben leicht ueber die Tastatur kommt, erfahrt Ihr im naechsten Beitrag.
Und auch sonst ist Norwegisch eine lustige Sprache. Es gibt hier so viele Dialekte, dass es eigentlich ein bisschen egal ist, wie man ein Wort genau ausspricht. Irgendeine Dialektvariante erwischt man sicher. Entsprechend habe ich auch noch keine zwei Personen getroffen, deren Aussprache groessere Uebereinstimmungen aufweist. Schon gar nicht in meiner naeheren Umgebung. Stian spricht ein eher undeutliches, modernes Hauptstadtnorwegisch, sein Vater einen Dialekt von der Westkueste und seine Mutter mit stark daenischem Einschlag. Sie ist naemlich Daenin. Bei der Gelegenheit faellt mir ein - jemand in meinem Norwegisch-Kurs hat mal gesagt: "Daenisch ist keine Sprache. Daenisch ist eine Halskrankheit". Nun, vielleicht ist da ja was dran ... (als Linguistin darf man sich solche kleinen Gemeinheiten ja mal erlauben).
Kuerzlich war ein Nachbar zu Besuch, den ich fast gar nicht verstanden habe. Als ich Stian spaeter frage, was fuer ein Norwegisch der Nachbar denn spraeche, grinste er und meinte: "Schwedisch."
Alles in allem bin ich aber ganz ueberrascht, wie gut die Verstaendigung klappt. Mit Stian rede ich nur Englisch, aber mit seinen Eltern und den Nachbarn fast ausschliesslich Norwegisch. Mein Kurs an der Uni liegt ja schon 3 Jahre zurueck und hat damals auch nur 2 Semester gedauert. Von daher haette ich Schlimmeres erwartet. Ich verstehe eigentlich das meiste, und wenn mir beim Sprehen mal ein Wort fehlt, dann suche ich mir einfach ein geeignetes Wort aus dem Englischen oder Deutschen, unterwerfe es den norwegischen Ausspracheregeln und liege oft nicht allzuweit daneben damit. Und entsprechend witzig klingt echtes Norwegisch dann auch fuer deutsche Ohren. Und sie haben einen schoenen Singsang bin ihrer Sprachmelodie. Auf jeden Fall eine Sprache, die Spass macht!
Die zweite verhaeltnismaessig grosse Neuerwerbung in meinem Wortschatz sind uebrigens die Namen der verschiedenen Beeren, die hier auf dem Hof und im angrenzenden Wald wachsen. Ich kann jetzt schon Schwarze Johannisbeere, Rote Johannisbeere, Stachelbeere, Himbeere, Heidelbeere und Preiselbeere auf Norwegisch sagen! Und dann gibt es da noch diese relativ grosse, rote Beere, die mit "E" anfaengt. Warum ich derzeit aber ein eher schwieriges Verhaeltnis zu dieser Beere habe und mir ihr Name nicht eben leicht ueber die Tastatur kommt, erfahrt Ihr im naechsten Beitrag.
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Montag, 13. August 2007
Nochn Bild
norge08, 23:15h

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Sonntag, 12. August 2007
Die Melkmaschine
norge08, 15:27h
Seit gestern haben wir eine Melkmaschine und drei traumatisierte Kuehe.
Stian schleppt seit Wochen eine Sehnenscheidenentzuendung vom Melken mit sich rum. Und bei zweimal taeglich Melken wird das eben nicht besser. Geld hat er aber eigentlich auch keins. Dafuer aber einen Nachbarn, der gerade im Lotto gewonnen hat. Also hat der liebe Nachbar ihm ein Uraltmodell von Melkmaschine geschenkt. Das ist besser als nix, dafuer aber ziemlich laut. Heute dann also der erste
Versuch mit der Melkmaschine. Ergebnis: Viel Milch in kuerzester Zeit und voellig verschreckte Kuehe. Die armen Viecher verstehen die Welt nicht mehr. Nicht nur, dass da was wie wild an ihrem Euter saugt, sie sind auch noch einem Hoellenlaerm ausgesetzt. Und lasst Euch mal von so einer Kuh mit vor Angst weit aufgerissenen Augen anschauen, da wirds einem ganz schwer ums Herz. Kristine (a.k.a die etwas hellere Kuh) hat ihren Kopf ganz tief in die hinterste Ecke der Box gesteckt und nicht wieder aufgeschaut, so als wollte sie dort am liebsten durch ein Mauseloch verschwinden. Und Vesla (a.k.a. die mitteldumme Kuh) ist vor Schreck zu Gulla in die Box gesprungen - schlechte Idee, da Gulla hochschwanger ist und ihre Box ganz gut auch alleine ausfuellt.
Tja, jetzt muessen wir mal weitersehen. Fuer Vesla, Kristine und Gulla sind wir erstmal die Boesen. Wir koennen nur hoffen, dass sie sich an die Melkmaschine gewoehnen, uns bald wieder lieb haben und Stians Haende heilen koennen.
Ach ja, und was ich ja eigentlich auch noch erzaehlen wollte. Meine Erfahrungen als 24-Stunden-Chef-Baeuerin (als Stian in Oslo zum Konzert war) waren relativ unspektakulaer. Der Hof war noch ganz danach, die Tiere auch noch heil, und Kuehe und Schafe haben sich aussergewoehnlich gut benommen ... hatten wohl Mitleid mit dem gestressten Maedel aus der Stadt. Der einzige Zwischenfall war ein mehrstuendiger Stromausfall mitten in der Nacht. Aber damit hatte ich wirklich nichts zu tun ;)
Jetzt werde ich mich dann mal in die Kueche verziehen und den Rest des Sonntags mit Brot backen verbringen ... gekauftes Brot ist hier eher Geschmackssache.
Und bald: Wie sich meine Norwegische-Kenntnisse taeglich verbessern, auch wenn sich mein Vokabular etwas stalllastig entwickelt.
Stian schleppt seit Wochen eine Sehnenscheidenentzuendung vom Melken mit sich rum. Und bei zweimal taeglich Melken wird das eben nicht besser. Geld hat er aber eigentlich auch keins. Dafuer aber einen Nachbarn, der gerade im Lotto gewonnen hat. Also hat der liebe Nachbar ihm ein Uraltmodell von Melkmaschine geschenkt. Das ist besser als nix, dafuer aber ziemlich laut. Heute dann also der erste
Versuch mit der Melkmaschine. Ergebnis: Viel Milch in kuerzester Zeit und voellig verschreckte Kuehe. Die armen Viecher verstehen die Welt nicht mehr. Nicht nur, dass da was wie wild an ihrem Euter saugt, sie sind auch noch einem Hoellenlaerm ausgesetzt. Und lasst Euch mal von so einer Kuh mit vor Angst weit aufgerissenen Augen anschauen, da wirds einem ganz schwer ums Herz. Kristine (a.k.a die etwas hellere Kuh) hat ihren Kopf ganz tief in die hinterste Ecke der Box gesteckt und nicht wieder aufgeschaut, so als wollte sie dort am liebsten durch ein Mauseloch verschwinden. Und Vesla (a.k.a. die mitteldumme Kuh) ist vor Schreck zu Gulla in die Box gesprungen - schlechte Idee, da Gulla hochschwanger ist und ihre Box ganz gut auch alleine ausfuellt.
Tja, jetzt muessen wir mal weitersehen. Fuer Vesla, Kristine und Gulla sind wir erstmal die Boesen. Wir koennen nur hoffen, dass sie sich an die Melkmaschine gewoehnen, uns bald wieder lieb haben und Stians Haende heilen koennen.
Ach ja, und was ich ja eigentlich auch noch erzaehlen wollte. Meine Erfahrungen als 24-Stunden-Chef-Baeuerin (als Stian in Oslo zum Konzert war) waren relativ unspektakulaer. Der Hof war noch ganz danach, die Tiere auch noch heil, und Kuehe und Schafe haben sich aussergewoehnlich gut benommen ... hatten wohl Mitleid mit dem gestressten Maedel aus der Stadt. Der einzige Zwischenfall war ein mehrstuendiger Stromausfall mitten in der Nacht. Aber damit hatte ich wirklich nichts zu tun ;)
Jetzt werde ich mich dann mal in die Kueche verziehen und den Rest des Sonntags mit Brot backen verbringen ... gekauftes Brot ist hier eher Geschmackssache.
Und bald: Wie sich meine Norwegische-Kenntnisse taeglich verbessern, auch wenn sich mein Vokabular etwas stalllastig entwickelt.
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Donnerstag, 9. August 2007
Schatten ueber der Bauernhof-Romantik
norge08, 15:54h
Damit Ihr nicht glaubt, dass es mir all zu wohl wird auf dem Land, hier auch mal ein Einblick in die weniger romantischen Seiten des Hilfs-Baeuerinnen-Daseins. Ein aeusserst leidiges Thema hier sind die Fliegen und Muecken. Es gibt sie millionen-, ach was sag ich, milliardenhaft und in allen Farben und Formen. Mit Stachel, ohne Stachel. Schwarz, gruen, blaeulich schimmern. Nervtoetend,wahnsinnig aufdringlich oder auch nur maessig laestig. Fuer jeden was dabei! Jedenfalls bin ich einigermassen beeindruckt, in welcher Masse sie auftreten. Wobei, wenn man bedenkt, bei wievielen Fliegenpaarungen ich inzwischen schon Zeuge war ... (die machen nicht mal vor meinem Abendessen-Teller halt!!!)
Und dann sind da ja noch die lieben grossen Tiere. Gestern hat Stian mir ausfuehrlichst gezeigt, wie ich am besten mit der Kuh umgehe, damit sie mir auch brav folgt, wenn ich sie am Seil nach draussen bringen will. Die fachkundige Demonstration am lebenden Objekt nahm dann allerdings ein jaehes Ende, als Stian mit einem gurgelnden Schrei hinter der Kuh verschwand ... Kristine (die etwas hellere Kuh) war ihm auf den Fuss getreten. Ich habe aus dieser plakativen Darstellung dann folgende Lehre gezogen: Regel Nr. 1 beim Kuehe ausfuehren: Fuesse in Sicherheit bringen, man will keine halbe Tonne auf seinem Zeh haben. Es sei denn, man moechte unbedingt wissen welche Farbschattierungen die eigenen Gliedmassen hervorbringen koennen ;)
Sicherheit ist ueberhaupt ein Thema auf dem Bauernhof. Ganz besonders auch bei meinem Lieblingsthema Melken. Hier ist naemlich Multi-Tasking in groesserem Ausmass gefragt. Wenn man da so halb unter der Kuh sitzt, froehlich an den Zitzen zupft, den Melkeimer zwischen die Knie geklemmt, kommt es vor, dass die Kuh beschliesst, auch mal das Standbein zu wechseln. Da braucht man dann entweder eine gute Koordination (gleichzeitig Fuss in Sicherheit bringen, Melkeimer trotzdem festgeklemmt halten und vor dem wedelnden Schwanz ducken) oder die Faehigkeit, schnell Prioritaeten zu setzen. Meine sind inzwischen relativ klar: Fuesse zuerst, dann Melkeimer retten und wenn, es dann noch nicht zu spaet ist, Kopf einziehen. Man lernt das mit dem Kopf uebrigens relativ schnell. Wem einige Male ein Kuhschwanz uebers Gesicht gefahren ist, der kurz vorher noch in einem frischen Kuhfladen gebadet hat, der entwickelt recht schnell einen Art Kuhschwanz-Seismographen.
Aber wie das eben so ist mit dem Landleben, ein treudoofer Blick von Kristine oder ein sich vertrauensvoll anschmiegendes Schaf Nr. 9 und braune Striemen im Gesicht oder zermatschte Zehen sind sofort vergessen ...
Demnaechst: Wie es mir ergangen ist, als Stian seinem Vater und mir den Hof fuer 24 Stunden ueberlassen hat, um auf ein Konzert in Oslo zu gehen.
Und dann sind da ja noch die lieben grossen Tiere. Gestern hat Stian mir ausfuehrlichst gezeigt, wie ich am besten mit der Kuh umgehe, damit sie mir auch brav folgt, wenn ich sie am Seil nach draussen bringen will. Die fachkundige Demonstration am lebenden Objekt nahm dann allerdings ein jaehes Ende, als Stian mit einem gurgelnden Schrei hinter der Kuh verschwand ... Kristine (die etwas hellere Kuh) war ihm auf den Fuss getreten. Ich habe aus dieser plakativen Darstellung dann folgende Lehre gezogen: Regel Nr. 1 beim Kuehe ausfuehren: Fuesse in Sicherheit bringen, man will keine halbe Tonne auf seinem Zeh haben. Es sei denn, man moechte unbedingt wissen welche Farbschattierungen die eigenen Gliedmassen hervorbringen koennen ;)
Sicherheit ist ueberhaupt ein Thema auf dem Bauernhof. Ganz besonders auch bei meinem Lieblingsthema Melken. Hier ist naemlich Multi-Tasking in groesserem Ausmass gefragt. Wenn man da so halb unter der Kuh sitzt, froehlich an den Zitzen zupft, den Melkeimer zwischen die Knie geklemmt, kommt es vor, dass die Kuh beschliesst, auch mal das Standbein zu wechseln. Da braucht man dann entweder eine gute Koordination (gleichzeitig Fuss in Sicherheit bringen, Melkeimer trotzdem festgeklemmt halten und vor dem wedelnden Schwanz ducken) oder die Faehigkeit, schnell Prioritaeten zu setzen. Meine sind inzwischen relativ klar: Fuesse zuerst, dann Melkeimer retten und wenn, es dann noch nicht zu spaet ist, Kopf einziehen. Man lernt das mit dem Kopf uebrigens relativ schnell. Wem einige Male ein Kuhschwanz uebers Gesicht gefahren ist, der kurz vorher noch in einem frischen Kuhfladen gebadet hat, der entwickelt recht schnell einen Art Kuhschwanz-Seismographen.
Aber wie das eben so ist mit dem Landleben, ein treudoofer Blick von Kristine oder ein sich vertrauensvoll anschmiegendes Schaf Nr. 9 und braune Striemen im Gesicht oder zermatschte Zehen sind sofort vergessen ...
Demnaechst: Wie es mir ergangen ist, als Stian seinem Vater und mir den Hof fuer 24 Stunden ueberlassen hat, um auf ein Konzert in Oslo zu gehen.
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Mittwoch, 8. August 2007
Bilder
norge08, 00:15h


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Sonntag, 5. August 2007
Erste Woche in Norwegen
norge08, 20:51h
Eine Kurzfassung zu Beginn: Norwegen ist toll! Mag zwar etwas platt klingen, trifft es aber exakt. Hier auf "meinem" Hof sieht alles genau so aus, wie man sich Norwegen nach den gaengigen Bildern vorstellt: Rotes Holzhaeuschen am See, Huegel mit Kiefernwaeldern bewachsen, drei Schafe und einige Kuehe hinterm Haus. Und wisst Ihr was? Es ist noch nicht mal kitschig, sondern einfach nur schoen.
Schoen ist uebrigens auch das Leben auf dem Hof. Ich hatte riesiges Glueck mit meiner Gastfamilie. Der Hof gehoert Stian, der 30 Jahre alt ist und vor einem Monat beschlossen hat, nicht mehr fuer die Oelindustrie arbeiten zu wollen sondern lieber Bauer zu werden. Er hat also minimalen Vorsprung zu mir, was Landwirtschaft angeht. Eher beaengstigend eigentlich ... Aber Stian nimmts gelassen und lernt selber jeden Tag dazu. Seine Eltern leben fuer die ersten paar Monate mit auf dem Hof und unterstuetzen ihn bei allem, was so anfaellt.
Und das treibe ich derzeit so: Morgens um acht gehts los mit Melken. Jaha, stellt Euch vor, ich klemme mir jeden Morgen einen Melkeimer zwischen die Beine und mich zwischen Kuh und Stallwand (was ich immer noch mutig finde, denn ein falscher Schritt von dieser Kuh und ...). Ich bin ja angeblich ein Melk-Naturtalent. Wusste ich bisher auch nicht. Jedenfalls habe ich schon meine erste Kuh ganz alleine ausgemolken und heute auch mein erstes Schaf. Kuehe melken ist nicht so schwer, dafuer aber unglaublich anstrengend fuer die Haende. Zum Schafe melken dagegen braucht man eine durchaus fortgeschrittene Technik, derer ich noch nicht ganz Herr geworden bin. Und was ich auch nicht gedacht haette: Schafe haben recht eigene und unterschiedliche Charaktere. Da waere zum Beispiel Nr. 9: Es klappt hinten am Euter nur, wenn es vorne am Kopf massiert wird (Hier melken also nur in 2-Mann-Besetzung moeglich). Oder Nr. 5: Kriegt zuviel, wenn man es streicheln will und schlaegt gerne aus beim Melken. Oder Nr. 6: Faellt in wohlige Erstarrung, wenn es an der Brust gekrault wird. Ja, und jeden Tag lerne ich mehr ueber die Schafpsyche. Da ist es bei den drei Kuehen (Kristine, Gulla und Vesla) schon etwas einfacher: es gibt die ganz dumme, die mitteldumme und die etwas hellere Kuh. Sieht man schon am Blick ... ;) Und uebrigens, in vierzehn Tagen kommt ein Kaelbchen!!!
Mehr aus Norwegen und zu meiner landwirtschaftlichen Lernkurve demnaechst.
Schoen ist uebrigens auch das Leben auf dem Hof. Ich hatte riesiges Glueck mit meiner Gastfamilie. Der Hof gehoert Stian, der 30 Jahre alt ist und vor einem Monat beschlossen hat, nicht mehr fuer die Oelindustrie arbeiten zu wollen sondern lieber Bauer zu werden. Er hat also minimalen Vorsprung zu mir, was Landwirtschaft angeht. Eher beaengstigend eigentlich ... Aber Stian nimmts gelassen und lernt selber jeden Tag dazu. Seine Eltern leben fuer die ersten paar Monate mit auf dem Hof und unterstuetzen ihn bei allem, was so anfaellt.
Und das treibe ich derzeit so: Morgens um acht gehts los mit Melken. Jaha, stellt Euch vor, ich klemme mir jeden Morgen einen Melkeimer zwischen die Beine und mich zwischen Kuh und Stallwand (was ich immer noch mutig finde, denn ein falscher Schritt von dieser Kuh und ...). Ich bin ja angeblich ein Melk-Naturtalent. Wusste ich bisher auch nicht. Jedenfalls habe ich schon meine erste Kuh ganz alleine ausgemolken und heute auch mein erstes Schaf. Kuehe melken ist nicht so schwer, dafuer aber unglaublich anstrengend fuer die Haende. Zum Schafe melken dagegen braucht man eine durchaus fortgeschrittene Technik, derer ich noch nicht ganz Herr geworden bin. Und was ich auch nicht gedacht haette: Schafe haben recht eigene und unterschiedliche Charaktere. Da waere zum Beispiel Nr. 9: Es klappt hinten am Euter nur, wenn es vorne am Kopf massiert wird (Hier melken also nur in 2-Mann-Besetzung moeglich). Oder Nr. 5: Kriegt zuviel, wenn man es streicheln will und schlaegt gerne aus beim Melken. Oder Nr. 6: Faellt in wohlige Erstarrung, wenn es an der Brust gekrault wird. Ja, und jeden Tag lerne ich mehr ueber die Schafpsyche. Da ist es bei den drei Kuehen (Kristine, Gulla und Vesla) schon etwas einfacher: es gibt die ganz dumme, die mitteldumme und die etwas hellere Kuh. Sieht man schon am Blick ... ;) Und uebrigens, in vierzehn Tagen kommt ein Kaelbchen!!!
Mehr aus Norwegen und zu meiner landwirtschaftlichen Lernkurve demnaechst.
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