Donnerstag, 9. August 2007
Schatten ueber der Bauernhof-Romantik
Damit Ihr nicht glaubt, dass es mir all zu wohl wird auf dem Land, hier auch mal ein Einblick in die weniger romantischen Seiten des Hilfs-Baeuerinnen-Daseins. Ein aeusserst leidiges Thema hier sind die Fliegen und Muecken. Es gibt sie millionen-, ach was sag ich, milliardenhaft und in allen Farben und Formen. Mit Stachel, ohne Stachel. Schwarz, gruen, blaeulich schimmern. Nervtoetend,wahnsinnig aufdringlich oder auch nur maessig laestig. Fuer jeden was dabei! Jedenfalls bin ich einigermassen beeindruckt, in welcher Masse sie auftreten. Wobei, wenn man bedenkt, bei wievielen Fliegenpaarungen ich inzwischen schon Zeuge war ... (die machen nicht mal vor meinem Abendessen-Teller halt!!!)

Und dann sind da ja noch die lieben grossen Tiere. Gestern hat Stian mir ausfuehrlichst gezeigt, wie ich am besten mit der Kuh umgehe, damit sie mir auch brav folgt, wenn ich sie am Seil nach draussen bringen will. Die fachkundige Demonstration am lebenden Objekt nahm dann allerdings ein jaehes Ende, als Stian mit einem gurgelnden Schrei hinter der Kuh verschwand ... Kristine (die etwas hellere Kuh) war ihm auf den Fuss getreten. Ich habe aus dieser plakativen Darstellung dann folgende Lehre gezogen: Regel Nr. 1 beim Kuehe ausfuehren: Fuesse in Sicherheit bringen, man will keine halbe Tonne auf seinem Zeh haben. Es sei denn, man moechte unbedingt wissen welche Farbschattierungen die eigenen Gliedmassen hervorbringen koennen ;)

Sicherheit ist ueberhaupt ein Thema auf dem Bauernhof. Ganz besonders auch bei meinem Lieblingsthema Melken. Hier ist naemlich Multi-Tasking in groesserem Ausmass gefragt. Wenn man da so halb unter der Kuh sitzt, froehlich an den Zitzen zupft, den Melkeimer zwischen die Knie geklemmt, kommt es vor, dass die Kuh beschliesst, auch mal das Standbein zu wechseln. Da braucht man dann entweder eine gute Koordination (gleichzeitig Fuss in Sicherheit bringen, Melkeimer trotzdem festgeklemmt halten und vor dem wedelnden Schwanz ducken) oder die Faehigkeit, schnell Prioritaeten zu setzen. Meine sind inzwischen relativ klar: Fuesse zuerst, dann Melkeimer retten und wenn, es dann noch nicht zu spaet ist, Kopf einziehen. Man lernt das mit dem Kopf uebrigens relativ schnell. Wem einige Male ein Kuhschwanz uebers Gesicht gefahren ist, der kurz vorher noch in einem frischen Kuhfladen gebadet hat, der entwickelt recht schnell einen Art Kuhschwanz-Seismographen.

Aber wie das eben so ist mit dem Landleben, ein treudoofer Blick von Kristine oder ein sich vertrauensvoll anschmiegendes Schaf Nr. 9 und braune Striemen im Gesicht oder zermatschte Zehen sind sofort vergessen ...

Demnaechst: Wie es mir ergangen ist, als Stian seinem Vater und mir den Hof fuer 24 Stunden ueberlassen hat, um auf ein Konzert in Oslo zu gehen.

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